Phoenix in der NDR 1 - Plattenkiste am 22.5.2019

Phoenix e.V. aus Hannover gestaltet die Sendung Plattenkiste von NDR 1 Niedersachsen

Viel zu erzählen gab es in der Sendung „Plattenkiste“ bei NDR 1 Niedersachsen. Am 22. Mai zwischen 12 und 13 Uhr unterhielten sich Elke Bock und Dorothee Türnau mit Moderatorin Martina Gilica über die Arbeit des Vereins Phoenix e.V. in Hannover und stellten das Projekt Phoenix vor, die einzige Beratungsstelle für Prostituierte in Niedersachsen. Seit 22 Jahren arbeitet Elke Bock dort, zuvor war sie in der Obdachlosen-Arbeit. Erst beim Vorstellungsgespräch erfuhr sie von Dorothee Türnau, worum es konkret geht. Was in der Beratungsstelle passiert, wusste sie anfangs nicht so genau, berichtet sie. Dorothee Türnau hat bereits vor 30 Jahren angefangen, nahezu mit der Vereinsgründung. "Wenn ich Sozialarbeiterin werde, ist das ein spannendes Feld", erinnert sie sich an ihren damaligen Gedanken.

Die Probleme, mit denen die Beraterinnen konfrontiert werden, sind sehr unterschiedlich. Es können persönliche, familiäre Fragen sein - Kinder, Schulden, Wohnungslosigkeit. Auch gesetzliche Rahmenbedingungen müssen geklärt werden wie Steuererklärungen. Das Prostitionsgesetz von 2002 ließ zunächst die "Sittenwidrigkeit" fallen. Damit fällt diese Arbeit unter das Grundgesetz Art. 12 - freie Berufswahl. Nach dem vor zwei Jahren eingeführten Prostituiertenschutzgesetz sind nun weitere Regeln in Kraft getreten: Anmeldung beim Gewerbe- oder Ordnungsamt mit einem Beleg für eine erfolgte Gesundheitsberatung, Bordellbetriebe müssen ein Erlaubnisverfahren durchlaufen. Dennoch gibt es bei den Betroffenen Ängste, denn sie müssen ihren Namen, ihr Geburtsdatum und ihr Heimatland angeben und Ausweise mitführen. Sie machen sich Sorgen, wer diese Daten bekommt, die eigentlich nur das Finanzamt erhalten soll. Das geht aber nicht immer so - und macht auch die Beratung entsprechend schwierig durch die entstehende Unsicherheit.

Ein wichtiger Schwerpunkt ist Streetwork: Lovemobile, Clubs, Straßenstrich, Wohnungen werden aufgesucht, um mit den Menschen zu sprechen. Mit einem kleinen Geschenk und Flyer gehen die Beraterinnen los. Elke Bock hat tatsächlich erlebt, dass sich eine Frau nach drei Jahren bei Phoenix meldete. Dorothee Türnau erinnert sich an den Besuch in einem Club in ihrer Anfangszeit gemeinsam mit einer erfahrenen Beraterin. Sie wusste nicht recht, was sie dort erwartete oder wie sie die dort Anwesenden ansprechen sollte und war etwas besorgt deshalb. Sie machte aber eine positive Erfahrung. Immer werden die Beraterinnen freundlich empfangen, egal, wo sie hin kommen, denn viele Sexarbeiterinnen wissen inzwischen vom Verein, stellte sie immer wieder fest. Im Rotlichtmilieu unterwegs zu sein, bringt mit unterschiedlichsten Menschen jeden Alters zusammen - von Minderjährigen bis zur über 70jährigen. Aus Südosteuropa kommen teils Analfabetinnen, aber auch Studierende treffen die Beraterinnen immer wieder. Elke Bock und Dorothee Türnau sehen ihre Arbeit als bereichernd an. "Missioniert" wird nicht, es wird anonym gearbeitet. Aber wer sich beruflich verändern will, kann vielleicht eine Qualifizierunsmaßnahme teilnehmen. So ist auch eine Mitarbeiterin zu Phoenix gekommen, da sie durch ihre eigene Vergangenheit und ihre Sprachkenntnisse einen guten Zugang zu den Frauen hat. Auch Deutschkurse werden immer mal wieder angeboten, wenn sich einige Frauen dafür finden, ebenso Workshops, in denen die Frauen die Themen selbst bestimmen.

Eine Kampagne soll noch in diesem Jahr alle in der Gesellschaft darauf aufmerksam machen, dass auch Sexarbeit Arbeit ist. Stigmatisierung und Diskriminierung sollen mit Aktionen bekämpft werden. Dazu lässt sich der Verein Phoenix einiges einfallen - mehr verraten die Gäste aber noch nicht in der Sendung.